Mathekram

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Der Abel-Preis und seine Schwächen

Posted by Modulix - März 29, 2008

Seine Frau soll angeblich schuld gewesen sein: Das ist zumindest eine der zahlreichen Legenden, weshalb Alfred Nobel keinen Nobelpreis für Mathematik ausgelobt hat. Denn, so einer der kolportierten Geschichten, angeblich habe ein Mathematiker seine Frau verführt. Das ist bestimmt nicht richtig, aber es gehört zu den Geschichten, die sich besser anhören als diejenige, dass in Nobels Augen die Mathematik keine angewandte Wissenschaft ist. (siehe auch dieses Mathlog)

Als den „mathematischen Nobelpreis“ bezeichnet man ja gerne die Fieldsmedaille, die aber laut ihren Statuten nur an Mathematiker unter 40 vergeben wird, und dies auch nur alle vier Jahre.

Ein jährliches Großereignis einer Preisverleihung und auch die Möglichkeit, mathematische Lebensleistungen zu würdigen, ist mit der Fieldsmedaille daher nicht gegeben.

Als Ausgleich für diesen von Mathematikern empfundenen Mangel wurde der Abelpreis eingerichtet, der aber die üblichen Stärken und Schwächen hat, die solche Preise mit sich bringen:

Die Stärken sind klar:

Enorme Öffentlichkeitswirksamkeit, Anreiz für viele, diesen Preis zu ergattern, im Umkreis des Preises stattfindende Symposien etc.

Die Nachteile sollte man aber auch nicht übersehen, nämlich die unausgesprochenen Statuten solcher Preise:

Dazu gehören die Länder- und die DisziplinenQuote, d.h. es sollte jedes Land und jede Teildisziplin mal drankommen. Listen wir mal die bisherigen Preisträger nach Teilsdisziplin und Land auf:

Jahr Namen Land Disziplin
2003 Jean-Pierre Serre Frankreich Algebraische Geometrie u.a.
2004 Michael Atiyah/ Isadore Singer England Algebraische Topologie u.a.
2005 Peter Lax USA Partielle Differentialgleichungen
2006 Lennart Carleson Schweden Harmonische Analysis
2007 Srinivasa Varadhan Indien Stochastik
2008 John Thompson/Jaques Tits USA/Belgien Gruppentheorie

So langsam sind die wichtigsten Teilsdiziplinen mit einem Preis bedacht worden. Wie geht’s jetzt weiter? Wohin treibt der Abelpreis? Kennt diesen Preis eigentlich irgendjemand, der nicht Mathematik-affin ist? Hat er eine ähnliche Öffentlichkeitswirksamkeit wie der Nobelpreis?

Und: Was ist mit den ganzen russischen Mathematikern: ich nenne mal den 1913(!) geborenen Israel Gelfand oder Novikov oder V. Kac oder etwa Y. Manin und Drinfeld.

Außerdem fällt auf, dass auch aus einer anderen großen Mathematikernation, nämlich Japan, noch keiner mit einem Preis bedacht wurde. (Zu nennen wären da etwa Kenji Ueno oder Mukai) 

Dass bisher kein russischer oder japanischer Mathematiker einen Abelpreis erhalten hat, sondern (mit Ausnahme Varadhans) nur Europäer oder Amerikaner, ist schon etwas schade.

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Eine Antwort to “Der Abel-Preis und seine Schwächen”

  1. tk said

    Etwas inkonsequent, erst die Länderquote als Nachteil aufzuzählen, um sich dann darüber zu beschweren, daß sie nicht eingehalten wird.
    Die vier Mitglieder des Preiskomitees (neben dem norwegischen Chairman) sind übrigens aus Rußland, Deutschland, USA und GB.

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