Warum ist Minus mal Minus gleich Plus?
Geschrieben von neuer zA - Juli 22, 2007
Die so einfache Frage, mag manche, die sich mit Mathematik intensiv beschäftigen, langweilen.
Aber von einer didaktisch-pädagogischen Perspektive ist die Frage nicht ganz so einfach. Die folgende Liste von Antworten erhebt natürlich nicht Anspruch auf Vollständigkeit. Wer noch weitere Antworten kennt, ist herzlich eingeladen, diese Liste zu verlängern. (Die ersten beiden hier gegebenen Argumente findet man auch im Lehrerarchiv. )
1. Das (algebraische) Argument von Freudenthal
Das ist der Klassiker, der sich auch in manchen Didaktikbüchern findet. Wir gehen aus von den beiden Gleichungsumformungen:
(-3)+3=0 | *4 ergibt: (-3)*4 + 3*4 = 0
sowie
(-4)+4=0 | * (-3) ergibt: (-4)* (-3) + 4* (-3) = 0
In beiden Gleichungen taucht der Term 4*(-3) auf, die beiden Gleichungen ergeben auch 0, also kann nur gelten:
(-4)*(-3)= 3*4.
Das Argument ist stimmig, verlangt aber die Fähigkeit, lediglich formal mit den Rechengesetzen (Distributivgesetz, Kommutativgesetz) zu operieren. Ob das Schüler kognitiv in der 5. Klasse bewältigen, ist eine andere Frage.
2. Das Argument der konstanten Abstände
Wir gehen etwa aus von der Gleichung
3*(-4) = -12. Jetzt erniedrigen wir den ersten Faktor und erhalten:
2*(-4) = -8 (Das Ergebnis ist um 4 größer).
1*(-4) = -4 (wieder +4)
0*(-4) = 0 (ebenso +4) Jetzt kommt der entscheidende Schritt:
(-1)*(-4) = 4 (das muss ja dann zwangsläufig so sein, oder nicht?)
3. Das Pfeile-Argument an der Zahlengeraden
Wir betrachten die Zahlen auf dem Zahlenstrahl und ziehen Pfeile von Null (0) bis zu der Zahl. Die Länge des Pfeils ist der Betrag der Zahl. Das Multiplizieren einer positiven Zahl mit einer ganzen Zahl bedeutet Aneinanderhängen der Pfeile zu einem langen Pfeil.
Das heißt: 4*3 bedeutet: —>—>—>—>, also einen Gesamtpfeil der Länge 12 nach rechts: ————>
Rechnet man nun (-1)*3 so dreht man den Pfeil um. Aus —> wird <—.
Der erste Faktor wirkt also wie eine Art “Operator”.
Dann wird klar, dass (-4)*(-3) bedeutet, dass man aus
<— den Pfeil —>—>—> = ————> macht.
Der Vorteil dieser Begründung liegt darin, dass dieses Argument “handlungsorientiert” vermittelt werden kann. Das Aneinanderhängen von Pfeilen muss wirklich gezeichnet werden. Außerdem zeigt dieser vektorielle Zugang noch einmal die Bedeutung der Vorzeichen auf.
4. Das ästhetische Argument
Betrachten wir die Multiplikationstabelle
| mal | + | - |
| + | + | - |
| - | - | ? |
Es stellt sich nun die Frage, was man für das Fragezeichen hineinschreiben soll. Wenn man ein Minus (-) hinschreibt, so gibt es ein Übergewicht an Minuszeichen. Aus Gründen der Ausgewogenheit ist eher ein Plus (+) zu setzen.
Die naheliegende Kritik ist natürlich, dass das wenig mit Mathematik zu tun hat. Andererseits hat Mathematik schon viel mit Symmetrie und Ästhetik zu tun.
5. Das algebraische Argument
Wollen wir annehmen, dass gilt:
.
Teilen wir nun durch (-1), so erhalten wir:
.
In unserem Zahlbereich ist aber , daher war unsere Voraussetzung falsch.
[Für die Experten: Im Körper (und seinen Verwandten) führt diese Überlegung übrigens nicht zu einem Widerspruch, denn hier gilt tatsächlich
]
Im Unterricht wäre eine Aufzählung mehrere Argumente (aber zu verschiedenen Zeitpunkten) wahrscheinlich das Empfehlenswerteste.
Anne Lüngen sagte
Hallo Matematik blätter plus und minus
Warum ist Minus mal Minus gleich Plus? « sagte
[...] die Mathematik den Boden der totalen Anschaulichkeit verlässt. Brauchbare Erklärungen finden sich hier. [...]
klassikertanzen sagte
ich würde einfach diesen link vorschlagen das Video erklärt schon einiges
eaglebonn sagte
Man kann vielleicht erklären, dass “Minus mal Minus gleich Plus”, indem man sich daran erinnert, dass eine Multiplikation “höhere” Form der Addition ist. Denn dann ist es ganz einfach zu verstehen, warum z.B. (-3) * (-2) = (+6) ist. Jetzt die Herleitung:
Man muss sich zuvor nochmals klarmachen, dass z.B. (-5) minus (-3) gleich (-2) ist. Also Minus minis Minus wirkt wie Minus minus Plus. Das kann man sich am besten am Zahlenstrahl klar machen ( soll (+1) sein.
<–<–<–<–<– (-5) minus
<–<– (-2) gleich
<–<–<– (-3)
Minus (-2) hat die gleiche Auswirkung, wie (+2):
<–<–<–<—-> (+2) gleich
<–<–<– (-3)
Also, kann man sagen, dass in der Addition minus Minus die Wirkung hat, als würde man mit einem Plus rechnen.
Aber wie kommt man darauf, dass Minus mal Minus Plus ist? Das kann man verständlich machen, indem man sich daran erinnert, dass der Multiplikation einer Addition zu Grunde liegt, wie man zeigen kann:
(-3) * (-2) = (+6) , das heißt in einem ersten Schritt, dass wir 3 mal (-2) haben, also ((-2) + (-2) + (-2)),
was zusammen gerechnet (-6) macht. Jedoch hat der Multiplikator ein negatives Vorzeichen, deshalb müssen wir schreiben:
- ((-2) + (-2) + (-2)) = – (-6). Minuns Minus macht plus, also (+6).
Oben konnte man sehen, dass minus Minus wie plus wirkt.
<—-<——–>—-> wird zu (+6)
eaglebonn sagte
Hallo, ich melde mich zum eigenen Beitrag: Also ich bin neu hier und konnte nicht wissen, dass die Zeichen verrutschen, nachdem man den Beitrag abgeschickt hat. Deshalb sind die Zahlenstrahle (–> und <—) leider nicht so wieder gegeben, wie ich sie eingetippt habe. Aber ich denke, die Sache wird trotzdem klar.